KI und Arbeit: Diesmal trifft es die Falschen – oder doch die Richtigen?
Dominik Imseng bringt es heute in der NZZ am Sonntag auf den Punkt: KI könnte Fachwissen entwerten und insbesondere kreative sowie wissensintensive Berufe unter Druck setzen. Die Sorge ist berechtigt. Und sie hat eine Pointe, die ich ergänzen möchte:
Bei früheren wirtschaftlichen Umbrüchen – Industrialisierung, Automatisierung, Digitalisierung – zahlten meist dieselben den Preis: Fabrikarbeiter:innen, Monteur:innen, einfache Angestellte. Die Wissensarbeiter:innen schauten zu, profitierten, oder beides.
Diesmal ist es anders. KI trifft Programmierer:innen, Jurist:innen, Journalist:innen, Kreative. Genau jene Berufsgruppen, die sich bisher auf der sicheren Seite wähnten. Das ist historisch bemerkenswert – und gerechtigkeitstheoretisch zumindest interessant.
Ich bin kein KI-Pessimist. Die Wirtschaftsgeschichte zeigt: Technologie vernichtet Tätigkeiten, selten ganze Berufe. Und ja – KI wirkt vielfach komplementär. Gute Fachkräfte werden produktiver, nicht überflüssig.
Aber: Die skeptischen Stimmen verdienen Gehör. Wer garantiert, dass die Produktivitätsgewinne diesmal wirklich zu neuer Nachfrage und neuen Berufen führen – und nicht bloss zu höheren Margen bei wenigen Konzernen?
Deshalb braucht es konkrete Antworten, nicht nur Absichtserklärungen:
→ Urheberrecht anpassen: Wer KI mit fremden Werken trainiert, soll dafür fair bezahlen. → KI-Abgabe einführen: Analog zur Schweizer Schwerverkehrsabgabe – externe Kosten sichtbar machen, Erträge für Weiterbildung und sozialen Ausgleich nutzen. → KI-generierte Erlöse höher besteuern: Damit der Nutzen der Gesellschaft zugutekommt, nicht nur den Aktionär:innen.
Schiller wusste es schon: Der Zauberlehrling endet nicht im Chaos – weil der Meister auftaucht. Nicht um die Magie zu verbieten. Sondern um sie zu beherrschen.
Die Frage ist: Wer übernimmt diese Rolle heute?